Die Große Liebfrauentracht wurde am Sonntag vor dem Fest der Geburt Johannes des Täufers, dem 24. Juni, gehalten.

Die Bevölkerung kannte ihre „Große Prozession“ – die Nachfolge der Großen Liebfrauentracht – als eine zweistündige Flurprozession, bei der das Allerheiligste und das Gnadenbild mitgeführt wurden. Auswärtige Pilger nahmen gewöhnlich nicht teil, so dass der Umgang einen rein lokalen Charakter hatte. 1969 wurde sie, nach einer Gemeindebefragung, zum letzten Mal gegangen.

Sie erlitt damit das gleiche Schicksal, welches gleichartige Prozessionen in vielen anderen Orten zu dieser Zeit ereilte. Zum Zeitpunkt der Einstellung der Großen Liebfrauentracht war niemandem mehr bewusst, welche Bedeutung gerade sie einst für Verne und die umliegenden Orte gehabt hatte. Denn „einmal im Jahr wurde die Mutter-Gottes an die Geseker ausgeliehen“. Die Liebfrauentracht ist fast so alt, Anfang des 13. Jahrhunderts,  wie die Wallfahrt zum Gnadenbild von Verne und hat wesentlich zur Verbreitung seiner Verehrung beigetragen. Prozessionen mit einem Gnadenbild in einem Wallfahrtsort über größere Strecken waren nicht ungewöhnlich. In Verne gab es aber die Besonderheit, dass die Prozession Diözesan- und Staatsgrenzen überschritt.

Bis 1583 hatte sie folgenden Ablauf: Sie begann in der Geseker Stadtkirche St. Petri und führte über die Kuhbrücke bei Verlar nach Verne und von dort unter Mitführung des Gnadenbildes über Salzkotten – vorher Vilsen – und Upsprunge nach Geseke. Dort wurde nur in der Stadtkirche Vesper und Predigt gehalten, unterdessen trug man das Gnadenbild in die Kurien der Stiftsdamen und die Häuser vornehmer Bürger. Anschließend kehrte die Prozession mit dem Gnadenbild nach Verne zurück. Die Prozession wurde jeweils an den Gemarkungsgrenzen  empfangen und verabschiedet.

Im Nachgang kurz die lange Geschichte der „Großen Liebfrauentracht“

  • Beginn um ca. 1200
  • 1256: Vertrag von Essen – erstmalige Erwähnung der Prozession
  • bis 1582 wurde die Prozession durch Geseke gegangen. Da Kur-Köln und somit auch Geseke protestantisch waren, wurde Verne Furchtbares angedroht, wenn sie mit dem Gnadenbild kommen würden. Es wurde nur bis zur Landwehr hinter Upsprunge gegangen und dann zurück nach Verne.
  • ab 1639 wurde die Liebfrauentracht, nach mehreren Anläufen durch die Geistlichen von Geseke, wieder mit Geseke durchgeführt
  • bis 1698 wurde die Prozession so begangen. Danach waren sich die Stifts- und Stadtkirche nicht einig wer Ausrichter sei. Dadurch wurde Geseke wieder nicht begangen.
  • ab 1703 wurde die Liebfrauchentracht wieder mit Geseke durchgeführt
  • 1761 ist die Prozession ausgefallen, da Geseke im siebenjährigen Krieg überfallen wurde
  • ab 1783 unter Begleitung des Allerheiligsten
  • ab 1787 kam aus Köln die Verfügung, dass die Liebfrauentracht die Geseker Gemarkung nicht betreten durfte
  • 1837 hat sich Salzkotten zurückgezogen. Der Grund waren Grenzstreitigkeiten zwischen Verne und Salzkotten.
  • ab 1837 Beginn der „Großen Prozession“ in Verne mit Gnadenbild und dem Allerheiligsten
  • Jahr 1969 letztmalig durchgeführt
  • 1997 wurde die „Große Liebfrauentracht“ wieder durchgeführt